Der Begriff „Industrie 4.0“ beschreibt die vierte industrielle Revolution; die digitale Vernetzung einhergehend mit technischer Assistenz und größtmöglicher Transparenz. Lange galt die Logistikbranche als Vorreiter der Entwicklung, aber inzwischen sehen aktuelle Studien zum Thema die Logistik abgehängt in puncto Digitalisierung.

Was brachte die Logistikbranche ins Hintertreffen?

Die Gründe dafür liegen einerseits darin, dass der Digitalisierung kaum Priorität beigemessen wird, andererseits fehlen oft die fachlichen Kompetenzen zur Umsetzung. „Der allgemeine Kostendruck sowie der steigende Wettbewerb wird die Digitalisierung weiter vorantreiben“, sagt Bernd Heesch, Mitglied der Geschäftsleitung des Speditionsunternehmens Kruse in Brunsbüttel bei Hamburg. Bei Kruse wurde der Digitalisierung schon früh Rechnung getragen; beispielsweise ermöglicht modernste Scannertechnik den Mitarbeitern immer und ortsunabhängig Zugriff auf alle zu einem Artikel gespeicherten Informationen.

Was machen die Unternehmen falsch?

Die Herausforderungen liegen laut Untersuchungen zum einen in den unterschiedlichen Standards der Branche, so dass beispielsweise Schnittstellen zum Datenaustausch fehlen. Dies hemmt die Abwicklung von Prozessen enorm. Heesch sieht die Spedition Kruse dagegen bestens aufgestellt: „Durch unser mit den Kundensystemen vernetztes Warehouse Management System haben unsere Kunden weltweit ständigen Vollzugriff auf ihre bei uns geführten Läger.“
Zum anderen scheuen Firmen die Digitalisierung aufgrund von befürchteten Lücken bei Datenschutz und -sicherheit. Hier herrscht eine große Nachfrage nach Sicherheitszertifikaten. Außerdem arbeiten viele Unternehmen noch zu einem Großteil mit Papierdokumenten und wollen das in naher Zukunft auch nicht ändern.
Insgesamt ergibt sich aus den unterschiedlichen Voraussetzungen der Branche ein heterogenes Bild: Jeder kocht mehr oder weniger sein eigenes Süppchen anstatt gemeinsame Anstrengungen für einheitliche Standards zu entwickeln, die die Zusammenarbeit mit anderen Dienstleistern und Kunden erleichtern.

Kann eine kleine Spedition mit einem großen Logistik-Player mithalten?

Da auch Konkurrenz aus anderen Branchen in die Logistik drängt, wächst der Druck. Gerade kleine und mittelständische Logistikunternehmen haben Nachholbedarf: Teilweise laufen Bestellprozesse noch per Fax, für die notwendigen Investitionen in die Digitalisierung fehlt hier oft das Geld. Bernd Heesch rechnet mit weiterer Zunahme der Warenströme durch zunehmende internationale Verflechtungen: „Unternehmen, deren IT-Systeme nicht vernetzt sind, werden mittelfristig den Anschluss verlieren.“