Drohnen sind überall, möchte man meinen. Zumindest ist überall von Drohnen die Rede. Und seit sich in der Öffentlichkeit vermehrt mit dem Begriff „Drohne“ beschäftigt wird, steigt auch die sprachliche Verwirrung: Was ist eine Drohne? Und welche Abgrenzung gibt es zu anderen Flugmodellen? Dieser Beitrag soll etwas Licht ins Dunkel um die Drohne bringen – denn längst nicht alles, was als Drohne bezeichnet wird, ist auch eine Drohne.

Was ist eine Drohne? Eine Frage mit vielen Antworten

Um es vorweg zu sagen: Die ultimative Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Das Gabler Wirtschaftslexikon liefert beispielsweise folgende Definition zum Begriff „Drohne“:

Eine Drohne ist ein unbemanntes Luft- oder Unterwasserfahrzeug, das entweder von Menschen ferngesteuert oder von einem integrierten oder ausgelagerten Computer gesteuert und damit (teil-) autonom wird.

Wikipedia spricht in seiner Definition zur Drohne sogar nur von einem „unbemannten Fahrzeug“. Demnach wäre auch ein Playmobil-Auto eine Drohne und Modellflugzeuge sowieso. Allerdings heißt es bei Wikipedia unter zum Stichwort „unbemanntes Luftfahrzeug“ auch:

Flugmodelle zur Freizeitgestaltung oder für Luftsportaktivitäten sind keine unbemannten Luftfahrzeuge.

Octocopter mit Kamera

Ein Octocopter mit Kamera © istock/seregalsv

Das ist schon mal eine Antwort auf die Frage „Was ist keine Drohne?“. Und weiter steht in der Online-Enzyklopädie:

In der deutschen Sprache werden unbemannte Luftfahrzeuge oft umgangssprachlich auch als Drohnen bezeichnet; der Begriff wird sowohl für militärisch oder kommerziell genutzte unbemannte Luftfahrzeuge als auch für per First Person View gesteuerte Flugmodelle wie Quadrocopter genutzt.

Das dürfte der Frage, was eine Drohne ist – bzw. der Beantwortung selbiger – schon recht nahe kommen. Was den Unterschied zwischen Drohne und Modellflugzeugen ausmacht ist letzten Endes auch eine (luftverkehrs-)rechtliche Frage. Deshalb hat hier das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur das „letzte Wort“:

Unter einer „Drohne“ versteht man ein unbemanntes Fluggerät. Das Luftrecht unterscheidet zwischen unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen. Gemäß § 1 Luftverkehrsgesetz handelt es sich bei unbemannten Luftfahrtsystemen um ausschließlich gewerblich genutzte Geräte. Flugmodelle sind hingegen privat, also zum Zwecke des Sports oder der Freizeitgestaltung genutzte Geräte.

Drohne vs. Multicopter: Allgemeine Unterschiede

Basierend auf vorgenannten Definitionen ist also festzustellen: Was im allgemeinen Sprachgebrauch als Drohne bezeichnet wird, ist streng genommen zu unterscheiden in „richtige“ Drohnen und Multicopter. Kurz zusammengefasst:

  • Drohnen, werden für militärische Zwecke genutzt. Das Spektrum reicht hier von passiven Aufklärungs-Drohnen bis hin zu Kampfdrohnen, die mit Waffensystemen ausgerüstet werden.
  • Multicopter, sind hingegen Drohnen, die für den gewerblichen und den privaten Gebrauch genutzten werden. Auch hier ist die Bandbreite an möglichen Einsatzzwecken und entsprechenden Anforderungen an die Software und natürlich an die Hardware enorm:
Ein Multicopter ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein Fluggerät, das hardwareseitig mit mehreren Rotoren angetrieben wird. Die gebräuchlichsten Multicopter sind

  • Tricopter mit drei Rotoren
  • Quadrocopter mit vier Rotoren
  • Hexacopter mit sechs Rotoren und
  • Octocopter mit acht Rotoren

Was ist eine Drohne, was ein Multicopter? Die Details!

Drohnen für militärische Zwecke

Das Militär nutzt für solche Drohnen den Begriff „unmanned aerial vehicle“ (UAV), welcher schlicht mit „umbemanntes Luftfahrzeug“ übersetzt werden kann. Sie sind schon von der Optik her überhaupt nicht mit Multicoptern zu vergleichen, denn Aufklärungs- und Kampfdrohnen ähneln eher kleineren Militärjets – was sie ja letztendlich auch sind.

Militärdrohne

Was ist eine Drohne? Dies ist eine Militärdrohne © istock/Polina Shuvaeva

Drohnen für militärische Zwecke gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen. Einige Aufklärungsdrohnen (URAV =Unmanned Reconnaissance Aerial Vehicle) sind beispielsweise so klein, dass sie nicht zu entdecken sind, andere können in weitaus größeren Höhen fliegen oder haben eine größere Reichweite als herkömmliche Flugzeuge.

Kampfdrohnen (UCAV =Unmanned Combat Aerial Vehicle) dagegen sind zum Beispiel mit umfangreichen Waffensystemen ausgerüstet und können verschiedene Ziele attackieren; andere (Einweg-) Modelle sind „nur“ mit Munition beladen, um Kamikazeangriffe auszuführen.

Multicoptern/Drohnen für Einsteiger

Die „Drohne für den Hausgebrauch“ ist zumeist ein Quadrocopter. Hier gibt es inzwischen auch schon Multicopter in günstigen Preissegmenten als Spielzeuge. Sie sind reine Fun-Objekte: Ein paar Minuten Flugzeit, geeignet um in den eigenen vier Wänden, im Garten oder Park ein paar Runden zu drehen. Dabei sollte man immer in Betracht ziehen, dass Drohnen eine extra Haftpflichtversicherung benötigen, denn reguläre Haftpflichtversicherungen decken die Schadensfälle für gewöhnlich nicht ab.

Speziell, wenn (kleine) Kinder mit dem Multicopter hantieren, sollten Eltern ihrer Aufsichtspflicht Sorge tragen, denn mit Drohnen können Unfälle mit unangenehmen Folgen angerichtet werden. Zudem ist generell fraglich, ob eine Drohne ein geeignetes Spielzeug für Kinder ist.

Profi-Drohnen

Drohnenpiloten, die wirklich „etwas vorhaben“ mit der Drohne bzw. dem Multicopter, müssen schon einige Hundert Euro in ihr Fluggerät investieren. Meist geht es dann um Kamera-Drohnen, also Multicopter, die eine Kamera tragen können, um Luftaufnahmen zu machen. Mittlerweile werden können Drohnen mit dem Tablet gesteuert werden. Mit Abstrichen bei der „Drohnen-Sicht“ geht das natürlich auch über das Smartphone.

Im Profibereich kommen oft Hexa- und Octocopter zum Einsatz (sechs oder acht Rotoren), denn mehr Rotoren bedeuten auch mehr Motoren und damit mehr Leistung und Balance. Und Profi-Drohnen müssen mehr leisten können, sei es, weil sie größere Gewichte tragen, eine längere Flugzeit mitbringen oder für perfekte Filmaufnahmen schlicht stabiler in der Luft stehen müssen. Aber: Profi-Drohnen sind mehr als ein Spielzeug und demzufolge muss man tief in die Tasche greifen; für einen guten Multicopter gehen gern einige Tausend Euro über den Ladentisch.

Aufstiegsgenehmigung, Kenntnisnachweis & Co.

Wer sich eine Drohne zulegen möchte, sollte nicht außer Acht lassen, dass es seit dem 1. Oktober 2017 die neue Drohnenverordnung gibt, die insbesondere auch Hobbypiloten betrifft. Darin ist u. a. festgeschrieben, dass

  • das Fluggerät ab einem Startgewicht von 250 Gramm eine Kennzeichnung in Form einer Plakette zu tragen hat, um im Falle eines Unfalls den Besitzer/Eigentümer zu ermitteln.
  • Drohnen ab 2 Kilogramm Startgewicht ein Kenntnisnachweis, der sogenannte „Drohnenführerschein“, benötigen.
  • für Drohnen ab 5 Kilogramm Startgewicht eine Aufstiegsgenehmigung von der Landesluftfahrtbehörde vonnöten ist.

Die neuen Bestimmungen gelten mit Ausnahme der Kennzeichnungspflicht nur außerhalb von Modellflugplätzen. Weiterhin gilt, dass Flugobjekte generell nur auf Sichtweite geflogen werden dürfen. Die ausführliche Drohnenverordnung gibt es hier.